Cairngorm National Park Tour - 2. bis 10. Mai

Camp "Inverey"
Camp "Inverey"

Eine Trekkingtour im Cairngorm National Park ist immer ein gewaltiges und einzigartiges Erlebnis. Auch dieses Mal wurden wieder neue Anforderungen an die Teilnehmer gestellt. Schon die Woche davor konnte ich bereits einen Blick auf "Ben Macdui" und seine Umgebung werfen. Die Berge präsentierten sich noch immer tiefverschneit. Und auch jetzt hatte sich an diesem Bild kaum etwas verändert. Liebe Leute und das im Mai! Wir ließen uns davon jedoch nicht aus der Ruhe bringen und genossen unseren Anreiseabend im Pub mit allem was dazugehört. Na ja Sie wissen schon, Schottland das Land des Whiskys. Am nächsten Morgen nach einem herzhaften Highlander Frühstück und einer 30minütige Zugfahrt später ging es ab in die Natur. Bei den "Ruthven Barracks" sattelten wir noch unsere Gamaschen auf. Einfach unverzichtbare Dinger. Die geschichtsträchtigen Ruinen aus den Jakobiteraufständen und bestens erhalten, wurden noch bildlich festgehalten und danach machten wir uns an den ersten kleinen Anstieg. Zum Ausschnaufen diente das darauffolgende Flachstück, bevor es hinab ins "Glen Tromie" ging. Dem gleichnamigen Fluss folgten wir für die nächsten zwei Stunden bis zum "Bhran Cottage". Nochmals ein kleiner Anstieg und schon wurde der Blick ins Tal des "Allt Bhran" freigegeben. In den Flussauen wurde etwas später das erste Camp aufgeschlagen. Einer meiner Lieblingsplätze in den Highlands, aber ich hab ja sooooooo viele davon.

Bedford Bridge über die "Falls of Tarf"
Bedford Bridge über die "Falls of Tarf"

Den "Minigaig" - einen legendären Flucht- und Angriffsweg aus früheren Tagen galt es heute zu meistern. Ein sehr langer und zäher Anstieg im zum Großteil weglosen Gelände. Der hohe Wasserstand der Zuflüsse zum "Allt Bhran" ließ uns einige Umwege zum Überqueren einlegen. Nach rund zwei Stunden wurde der Blick zum Berg "Leathad an Taobhain" freigegeben, an dessen Flanken wir unsere Hufe rüberschmeissen sollten. Ein Anblick mit viel Schnee. Um die Passhöhe zu erreichen musste einigen Schneefeldern ausgewichen werden und auch Schnee stampfen blieb uns nicht erspart. Mehrmals mussten noch riesige Schneefelder umkurvt werden, was mit Sonnenschein jedoch viel mehr Spaß macht als im drüben Wetter. Um 15 Uhr war jedoch Schluss mit lustig und wandern. Ein Fluss führte zum einem viel zu tiefes Wasser mit sich und eine dicke Schneewechte versperrte uns den Weg. Eine kleine schneefreie Fläche reichte um unsere Zelte bereits hier aufzuschlagen. Bei einer längeren Kaffee und Whisky Pause wurde das Kartenmaterial zu Rate gezogen. Zur Auswahl stand ein größerer Umweg oder der Weg zurück. Doch es sollte ganz anders kommen. Unser Plätzchen war allerdings atemberaubend schön und auch das Wetter passte perfekt für einen schönen Trekkingabend.

Rast am Weg ins "Glen Tilt"
Rast am Weg ins "Glen Tilt"

Pinkeln am Morgen vertreibt Kummer und Sorgen. Wusste ich zwar auch nicht, aber es trifft es perfekt. Am frühen Morgen bei genau dieser Tätigkeit und ein Blick auf den Fluss zeigten, dass die Abkühlung in der Nacht die Schneeschmälze nahezu stoppte und ein bequemes Überqueren des Flusses möglich machte. Derart gut gelaunt genossen wir unser Frühstück, bauten die Zelte ab und weiter gings. Der Schnee wurde auch zusehends weniger und der Blick ins Tal "Glen Bruar" von hoch oben entschädigt alle Anstrengungen mit ausreichend Zinsen. Dem Abstieg ins Tal folgte in diesem auf breiter Forststraße der Weg bis zur "Bruar Lodge". Das alles bei windigem Wetter. Jetzt mussten wir nochmals nach oben um eine Stunde später beim "Allt Sheicheachan Bothy" einzutreffen. Unser eigentliches Ziel vom Vortag. Diese gepflegte Schutzhütte gönnt dem Wanderer eine windfreie Pause und als Überraschung aller auch zwei große Bierdosen, die freundlicher Weise zurückgelassen wurden. Brüderlich geteilt, einfach eine herrliche Rast. Im flachen Heidekrautgelände erreichten wir nach lediglich zwei weiteren Stunden unser Tagesziel in "Blair Atholl". Kaum angekommen, öffnete der Himmel seine Schleussen und wir durften quasi unter Wasser die Zelte aufstellen. Das schafft man jedoch mit links, denn hier war Campside und somit auch Duschen angesagt. Frisch gestylt ging es ab ins Pub des Atholl Arms Hotel samt Wirtshausbrauerei und "Haggis Nuchos".

Schutzhütte "Bob Scott Bothy"
Schutzhütte "Bob Scott Bothy"

Tagesziel: lovely "Glen Tilt" - eines der schönsten Hochtäler der Highlands. Die Meute wurde von mir noch ins Atholl Arms Hotel zum Frühstück eingeladen, ein kleiner Umweg der gerne in Kauf genommen wurde. Über Stunden folgten wir einem "Landrover-Track". Querten den "River Tilt" bei der "Cunhannleum Bridge" und später die "Gilbert Bridge". Der breite Pfad endet bei der "Marble Lodge". Im folgenden Zauberwald wurde hinter den alten Bäumen dem Wind getrotzt und gemütlich Kaffee geschlürft. Die bezaubernde Landschaft wird immer einsamer und die Schafe im Verhältnis dazu immer mehr. Genau das richtige für uns Trekker. Am Zufluss "An Lochain" in den "Tilt" ist der ideale Platz zum Campieren und genau hier war unsere Etappe zu Ende. Wieder so ein Platz, wo man unbedingt sein Lager aufschlagen muss um die Natur und die unglaubliche Ruhe in vollen Zügen genießen zu können. Ausgelassene Stimmung wechselte sich mit innerer Einkehr ab bevor es in unsere kuscheligen Schlafsäcke ging.

Angela trotz Schnee in bester Laune
Angela trotz Schnee in bester Laune

Bei bewölktem jedoch windfreiem Wetter wurde unser Lager abgebrochen und wir machten uns auf dem Weg zum "Falls of Tarf". Eine halbe Stunde später überquerten wir die Wasserfälle auf der "Bedford Bridge". Im oberen "Glen Tilt" wird es zusehends noch einsamer und rauer. Bei den Ruinen der "Bynack Lodge" wurde eine längere Rast eingelegt, bevor wir abermals dem Schmelzwasser der Flüsse Tribut zahlen mussten. Es wären hier auf wenigen hundert Metern drei Flüsse zu queren. Aber mehr als der Erste ging nicht. Also war Umweg angesagt! Quer über die Hügel durch Heidekraut bis nach "Inverey". Weglos, anstrengend und trotzdem sehr reizvoll. Zwei Stunden dauerte diese Challenge. Für echte Trekking-Fans gerade der richtige Spaß. Da die geplante Bergtour auf "Devil's Point" und "Angels Peak" schneetechnisch sowieso aussichtslos war, stellte unser kleiner Umweg zeitlich keinerlei Probleme dar. An einem kleinem Fluss wurde unser Nachtlager aufgeschlagen, nachdem wir vorher noch die Sonne am tosenden Wasser der "Linn of Dee" genossen hatten. Wie man sieht, auch Umwege in den Highlands sind zumeist durchaus lohnenswert und reizvoll.

Schneestapfen am berühmten Bergpass "Lairig Ghru"
Schneestapfen am berühmten Bergpass "Lairig Ghru"

Strahlend blauer Himmel und Sonnenschein weckte uns an diesem herrlichen Morgen. Arschkälte inklusive! Trotzdem viel es schwer uns von unserem herrlichen Zeltplatz zu trennen. Nach zwei Stunden Wandern bei Kaiserwetter wurde es kurz nach "Derry Lodge" spannend. Im September mussten wir erstaunt zur Kenntnis nehmen, dass Hochwasser die Fußbrücke förmlich zertrümmert hatte. Die Schotten sind jedoch ein emsiges Völklein und so konnten wir über eine nagelneue Brücke ohne Umweg unsere Wanderung Richtung "Devil's Point" fortsetzen. Ein kleines Päuschen später und wir machten uns auf den Weg zum berühmtesten Pass der Highlands: "Lairig Ghru". Hier galt es noch durch riesige Schneefelder zu stapfen. Die Aufgabe wurde durch frische Spuren erheblich erleichtert. Trotzdem war Vorsichtig angebracht. Kurze Zeit später wurde der Blick auf "Aviemore" in der Ferne freigegeben. Eigentlich wollten wir am Fuße des Teufels nächtigen, da wir jedoch nicht wussten ob der Pass passierbar ist, mussten wir noch etwas mehr als zwei Stunden Extraschicht zum Abstieg hinnehmen, damit wir die Möglichkeit hatten unsere Zelte aufzustellen. Mit dem letzten Tageslicht ist uns auch das noch gelungen und fielen happy in unsere Schlafsäcke. Ein harter Tag mit der Gewissheit am nächsten Tag nur noch knapp zehn Kilometer vor sich zu haben.

Dominic genießt die letzte Pause mit seinem Riesenhäferl.
Dominic genießt die letzte Pause mit seinem Riesenhäferl.

Der perfekte Zieleinlauf. Frühstück bei bester Laune und noch bessere bei herausragenden Wanderwetter. Mit etwas Wehmut wurde das letzte Camp abgebaut. Im gemütlichen Tempo genossen wir unsere letzten Kilometer nach "Aviemore". Hier im "Rothiemurchus Forest" ist es märchenhaft Idyllisch und man wird fast von alleine immer langsamer, da man hier nicht mehr weg möchte. Ausgiebig wurde noch eine letzte Rast eingelegt. Der letzte Kaffee auf der Strecke getrunken und die letzten Müsliriegel vernascht. Ein Stunderl später war abklatschen angesagt. Und schon stürmten wir auf ein "Ranger-Menü" ins Pub und machten uns auf der Terrasse des Cairngorm Hotels breit. Ich liebe das Hotel, das Pub, die Menschen, die Livemusik und die Stimmung hier. Immer wieder Schade, wenn es danach heisst: Sag zum Abschluß leise "Sláinte!"