Cairngorm National Park Tour - 3. bis 9. September

Am Weg zum Devil's Point
Am Weg zum Devil's Point

Eine Trekkingtour im Cairngorm National Park ist zweifelsohne etwas ganz besonderes. Abgeschiedenheit, fern von der so oft gepriesenen Zivilisation und einfach unglaubliche Ruhe samt fehlender Handymasten. Die Connection lautete diesmal: Wien und Berlin - eine herrliche Kombination. Nach der Anreise über Inverness nach Aviemore ging es am ersten Tag zunächst mit dem Zug nach Blair Atholl. Und kurze Zeit später konnte es auch schon losgehen. Bei angenehmer Wandertemperatur auf breiten Pfaden machten wir uns auf ins Glen Tilt. Zumeist flach oder auch mal leicht ansteigend watschelt es sich einfach famos. Ideal zum Einlaufen einer Trekkingtour. Kurz nach der Marble Lodge durfte es auch mal ein bisschen Sprühregen sein, schließlich ist man hier ja in Schottland. Und wo Regen ist, gibt es auch keine Midges - die schottische Draculavariante. Nach der Forrest Lodge verlassen wir nun auch die letzten Stromleitungen und tauchen nun erst so richtig in die Einsamkeit der schottischen Highlands ein. Direkt neben dem Fluss An Lochan war nach 18,5km  unser Tagesziel erreicht. Nun war etwas ausschnaufen und ein Schluck Scotch fällig. Derart gestärkt schlugen wir unsere Zelte auf und machten uns über zweigängiges Luxusmenü her.

Manchmal gibt's auch Lagerfeuer
Manchmal gibt's auch Lagerfeuer

Das Frühstück zu Tag 2 wurde auf der Strecke zu sich genommen, da wir keine Lust hatten dies gemeinsam mit den Midges im Zelt zu tun. Nebelverhangen machten wir uns zunächst zu den Falls of Tarf auf. Bei wieder leicht einsetzenden Nieselregen ging es durch offenes Heidegelände zur Ruine der Bynack Lodge. Ich liebe diese Landschaft hier ganz einfach. Danach war die 3fache "Challenge River crossing" an der Reihe und nur der Ranger fasste leicht nasse Füße aus. An der White Bridge wurde ausgiebig eine längere Pause eingelegt, bevor wir uns nach Inverie aufmachten. Auch hier gibt es ein Wasserspektakel zu bewundern: Linn of Dee - tosende Wassermassen stürzen sich durch die Felsen hinab. Nahe eines Waldstücks schlugen wir unser Lager auf und das aus gutem Grund. Jede Menge herabgefallene, trockene Äste zum Einsammeln und schon konnten wir ein tolles Lagerfeuer basteln. Chrille aus Berlin konnte gar nicht genug davon bekommen. Nicht nur das es angenehm warm bei so einem Feuer ist und es sich dabei genüsslich schmausen lässt, es vertreibt aber auf natürliche Art und Weise auch noch die letzten kleinen Blutsauger. Und so schwelgten wir noch eine geraume Zeit in dieser Stimmung, bevor es in unser Luxusappartement ging.

Perfekter Zeltplatz unter freiem Himmel
Perfekter Zeltplatz unter freiem Himmel

Die Highland Games von Braemar standen heute am Tagesplan und wir freuten uns schon beim Frühstück darauf. Die 7km nach Braemar waren rasch abgehackt und rein ging's in schottische Kräftemessen. Zunächst verfolgten wir die Aufmärsche der Pipebands durch das entzückende Kleinstädtchen und folgten ihnen in den Memorial Park. Baumstammwerfen, Kugelstoßen, Hammerwerfen, irgendein Dings über eine hohe Latte werfen, Laufen, Tauziehen und das alles gleichzeitig. Kein Wunder das wir nach 90 Minuten eine Pause brauchten und kurz in die City abtauchten. Und so verpassten wir den Wolkenbruch im gemütlichen Pub bei einem Bier. Genauso gehört es gemacht! Bei bestem Wetter samt kurzem Sonnenschein gaben wir uns das Finale der Spiele und durften auch noch aus kürzester Distanz die Queen bestaunen. Ihr Abzug aus der Anlage, begleitet von einer 200 Mann Pipeband, darf man ruhig als beeindruckend bezeichnen. Bestens gelaunt machten wir uns auf dem Rückweg zu unserem Camp und ließen bei einem weiteren Feuerchen den Tag Revue passieren.

Lairig Ghru - der berühmteste schottische Pass
Lairig Ghru - der berühmteste schottische Pass

Der heutige Tag sollte uns eine große Überraschung bringen. Doch der Reihe nach. Zunächst folgten wir dem Lui Water tief hinein ins Glen Lui. Im Bob Scott's Bothy wurde eine gemütliche Kaffeepause eingelegt. Kurze Zeit später war es soweit. Die Brücke bei der Derry Lodge war keine Brücke mehr. Bestenfalls Brennholz. Rivercrossing war nicht. Viel zu tief und reißend waren die Fluten des Lui Water. Tja, so mussten wir zur Nächsten ausweichen. Lediglich ein Umweg von 2,5 Stunden und etwas mehr als 8km. Uns als echte Trekkingfans macht das nichts, denn als Belohnung gab es noch mehr unberührte, atemberaubende Natur. Das nun folgende offene Heidegelände durchzogen von Kaledonischen Kiefern führte uns zum Luibeg Burn. Und wieder war nix mit Rivercrossing, doch diesmal hielt sich der Umweg in Grenzen. Mit Blick auf den zweitgrößten Berg Schottlands, den Ben Macdui ging es weiter. Ein echter Hammer dieser Teil der Strecke zu unserem Tagesziel. Nach ungefähr einer weiteren Stunde war es geschafft - Devil's Point. An den Flanken dieses schrecklich schaurig schönen Berges bauten wir direkt neben dem Fluss zum letzten Mal unser Lager auf. Hier noch die Natur beim letzten Tageslicht zu genießen ist ein wahrlich spektakuläres Erlebnis. Weit und breit nur wir und die Natur. Besser geht's nicht - echt nicht!

Könglicher Besuch bei den Highland Games in Braemar
Könglicher Besuch bei den Highland Games in Braemar

Bei Sonnenschein wurde unser letztes Lager abgebaut. Eine dichte Nebelbank hing jedoch über dem höchsten Punkt unserer Tour: der berühmteste Pass der Highlands - der auf 835m liegende Lairig Ghru. Je näher wir unserem Tourhighlight kamen, desto höher stieg auch der Nebel. Lediglich die Spitzen der links und rechts aufragenden Berge waren wie in Watte gepackt. Nach der Überquerung einiger "Bolder fields" kam auch Aviemore wieder in Sichtweite. Ab nun ging es hurtig hinunter in den Rothiemurchus Forest mit seinen unzähligen schottischen Kieferbäumen. Die letzten Kilometer führten uns nun flach dahin zu unserer Belohnung: Das Pub im Cairngorm Hotel! Bei angenehmen Temperaturen zwitscherten wir das eine oder andere Pint samt exzellenter Scotsch Whisky Begleitung. Nach einer ausgiebigen Duschsession wurde noch durch das kleine Städtchen geschlurft, einige Andenken gekauft bevor es zurück ging zum Abendessen. Ein würdiger Abschluss dieser Trekkingtour wartete noch auf uns: schottische Livemusik. So gehört das hier einfach und wir lieben es. Und wie immer werde ich auch dieses Jahr noch des Öfteren in Aviemore landen.


Die Bilder zu dieser Trekkingtour in Schottland

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