Glen Affric Knoydart Trail - 7. bis 18. April

Schnee am Morgen in Tomich
Schnee am Morgen in Tomich

Glen Affric und Halbinsel Knoydart. Zwei Trekkingklassiker der schottischen Highlands waren das Ziel der ersten Tour des Jahres. Der Start ins Glen Affric erfolgte in Tomich, einem entzückenden, verschlafenen Dorf im Glen Urquart. Neuschnee am Morgen sorgte für erstaunte Gesichter. Ein ordentliches Frühstück später konnte es losgehen. Die beeindruckenden „Plodda Falls“ erreichten wird nach einer Stunde und wurden zur ersten Pause genützt. Auf breiten Landrovertracks ging es weiter zur „Cougie Lodge“ und im dortigen „Sarah’s Hut“ braute man uns echt starken Kaffee der uns beinahe umgehauen hätte. Der Tag war noch zu kurz um bereits hier unser Nachtlager aufzuschlagen und so entschieden wir uns noch ein Stunderl anzuhängen und diese Entscheidung besorgte uns den wohl atemberaubendsten Schlafplatz in den gesamten Highlands. 

Loch nan Gillean - Der Hammer!
Loch nan Gillean - Der Hammer!

Loch nan Gillean – schöner geht’s nun wirklich nicht mehr! Auf einer leichten Erhöhung zum See hin bauten wir unser Zelt auf. Da sich dort sogar eine Feuerstelle befand und kurz vorher am Weg jede Menge Brennholz war, machten sich Andi und Alex auf den Weg um welches zu holen. Der Abend am Feuer samt dazugehörigem Whisky zählte mit Sicherheit zu den schönsten Erlebnissen in freier Natur. Die Nacht wurde zwar kälter als erwartet, jedoch der Morgen ließ sogar den Abend verblassen. Traumhafter Sonnenschein tauchten den See und die sich darin spiegelnden, tief verschneiten Berge in eine noch nie erlebte Atmosphäre. Leider waren wir ja auf Trekkingreise, aber dort hätten wir es mit Bestimmtheit noch einige Zeit ausgehalten. Nur schweren Herzens wurde unser Lager abgebaut und wir machten uns auf den Weg ins Glen Affric. 

Camp Alltbeithe
Camp Alltbeithe

Der erste Teil des Tages ging bergauf in immer tiefer verschneites Gelände aber schneefreien Pfaden. Und dann endlich zeigte sich das Glen Affric – welch ein famoser Anblick. Der Abstieg nach unten war etwas steil, wurde aber mit Bravour gemeistert. An einem sonnigen Platzerl am Fluss wurde die verdiente Kaffeepause eingelegt. Auf breiten Pfaden ging es immer tiefer hinein ist dieses wunderschöne Tal  des Flusses Affric. Nächster Halt war die ehemalige Siedlung „Athnamulloch“. Am weiteren Weg konnte es einfach nicht aufhören schön zu sein. Entlang dieses Streckenabschnittes konnten wir die Aufforstungsbemühungen der natürlich gewachsenen Kaledonischen Wälder aus nächster Nähe sehen. In einem wahrlich malerischen Tal in den Flussauen wurde das Camp „Alltbeithe“ errichtet. Die Nacht war ruhig und nochmals frostig.

"Five Sisters of Kintail" im Blickfeld
"Five Sisters of Kintail" im Blickfeld

Nach einem kürzeren Anstieg wurde das „Camban Bothy“ erreicht und Pause gemacht. Was dann kommen sollte übertraf nochmals unsere Erwartungen bei weitem. Zunächst durch ein, ich weis ich wiederhole mich, traumhaftes Hochtal, danach das märchenhafte „Fionnglen“. Und ob das nicht schon alles genug gewesen wäre, kam kurze Zeit später die Bergkette „Five Sisters of Kintail“ ins Blickfeld. Der Abstieg zu den „Allt Granda Falls“, der Wasserfall selbst und der tiefe Blick ins Tal zum Glenlicht House – jetzt brachten wir endgültig den Mund nicht mehr zu. Es wurde geknipst und gefilmt was das Zeugs hielt. Unten angekommen führte uns ein rund 90 minütiger Fußmarsch wieder zurück in die Zivilisation nach Morvich. Lohn der Anstrengungen: Das Kintail Lodge Hotel direkt am Meer mit Blick Richtung Isle of Skye. Also mir persönlich fehlte das Glen Affric jetzt schon und daher komme ich garantiert wieder hierher in einen der schönsten Plätze der Highlands. 

Suardalan Bothy
Suardalan Bothy

Der heutige Tag startete nahezu aus dem Stand und Meereshöhe hinauf auf 500 Meter zum Pass beim „Loch Choire nan Crgachan“. Eine anstrengende Geschichte mit lauter glücklichen Gipfelstürmern. Obwohl es eine angenehme Wandertemperatur hatte (um die 7 Grad), zum Baden und in der Sonne liegen war es eindeutig zu kalt. Erstaunt bewunderten wir jedoch einen Schotten der genau das an diesem Gipfelsee tat. Der Abstieg war um einiges gemäßigter und führte uns zu einem verfallenen Haus bei dem der Kamin sich strickt weigerte dasselbe zu tun. Durch abgeholzte Lichtungen und Wälder führte uns der Weg zu unserem heutigen Schlafplatz: „Suardalan Bothy“. Tolles und sauberes Bothy mit jede Menge Brennholz in der Umgebung. Alex wurde zum selbsterklärten Flammenmeister und Andi sein folgsamer Schüler. Was jetzt folgte wird wohl als die einzige jemals stattgefundene zeitgleiche Oster- und Weihnachtsfeier in die Geschichte der Highlands eingehen. Mehr wird jedoch nicht verraten. Ein paar Geheimnisse müssen uns nun denn doch bleiben. 

Gleann Aiodhdailean
Gleann Aiodhdailean

Auch heute ging es wieder hinauf auf 500 Meter. Zunächst durch ein imposantes Tal namens „Gleann Aiodhdailean“ mit Blickrichtung auf den zu bezwingenden Pass, der nur sehr zögerlich näher kam, nahezu etwas schüchtern, immer entlang des gleichnamigen Baches. Und je näher wir dem Pass kamen umso mächtiger baute er sich vor uns auf. Es wurde mächtig geschnaubt bei diesem Anstieg. Hinunter ging’s zunächst etwas moderater und nach einer weiteren Stunde erfolgte der finale Schlussanstieg des Tages. Der danach folgende Abstieg stand der Kitzbüheler Streif um wirklich nichts nach und war anstrengender als der vorhergehende Anstieg. Doch der Blick auf Loch Hourn dem Meeresausläufer ließ uns alle Mühen sofort vergessen. Noch ein kurzes Stück durch den Wald, beim Försterhaus vorbei und schon konnten wir diese Tagesetappe als erledigt betrachten.

Kinloch Hourn
Kinloch Hourn

Dass sich das bisher erlebte Naturspektakel noch steigern könnte, war schlicht nicht mehr vorstellbar, ereignete sich aber trotzdem. Stetig entlang des Loch Hourn vergaßen wir dabei sogar das stetige auf und ab. Immer im Blick: Die faszinierende Bergwelt der Halbinsel Knoydart. Auch hier konnten die Kameras kaum verschnaufen. Wasserfälle ohne Ende und zum Ende des Meeresarms die schier unglaubliche Bucht von Barisdale. Hier war es echt notwendig eine längere Pause einzulegen um diese Kulisse in sich aufzunehmen zu können. Derart vollgepfropft mit Energie entschieden wir uns noch weiter zu gehen. Vorbei an einer riesigen Hirschkolonie die uns nur wenig Aufmerksamkeit schenkte. Der Anstieg sollte uns eigentlich laut Karte in ein Waldstück führen wo wir unser Zelt aufstellen wollten, nur dieser war bis auf ein paar traurig aussehender Bäume nicht mehr vorhanden.  Also ging es noch trüber über den Sattel „Mam Barisdale“. Von hoch oben konnten wir in diesem riesigen Tal schon den See „Loch an Dubh Lochain“ sehen, unseren neuen Zeltplatz. Dieser wurde eine Stunde später auch bezogen. Es sollte eine stürmische und regnerische Nacht werden.

Inverie Bay
Inverie Bay

Der Regen im Zelt störte uns nicht und wie auf Kommando nach erfolgtem Zeltabbau war auch Schluss damit. Kurze Zeit später schien die Sonne und bescherte uns derart einen würdigen Rahmen für unseren Zieleinlauf in Inverie. Lediglich zwei Stunden mussten an diesem Tag zurückgelegt werden, dank unseres anstrengenden Vortages. Die Inverie Bay bei Sonnenschein: Traumhaft! Rasch wurde unser Quartier in einer ehemaligen Farm bezogen und sogleich auf dem Weg zu einer Rarität gemacht – dem Old Forge! Großbritanniens abgelegendste Pub auf der Hauptinsel. Nur per Boot oder zu Fuß erreichbar und wir finden: gut so! Resümee dieser Trekkingtour: Hammer, Hammer, Hammer. Anstrengend aber jede Mühe war es wert. Für uns sicherlich einer der schönsten Flecken der Erde. We will see you soon! 


Die Bilder zu dieser Trekkingtour

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