Die schottischen Highlands - Teil II - Die geografische Sicht

Nach der persönlichen Sicht über die Einwohner der Highlands nun zur geographischen Lage. Die schottischen Highlands (Hochland) sind die Gebirge im Norden von Schottland, unterteilt in die North Western Highlands und die Grampian Highlands getrennt durch den Great Glen Fault. Der höchste Berg ist der berühmt berüchtigte Ben Nevis und befindet sich in den Western Highlands. Für österreichische Verhältnisse wird der eine oder andere meinen, dass es sich lediglich um einen größeren Hügel handelt, aufgrund seiner relativ geringen Höhe von 1.344 Meter. Vielleicht kann sich der erfahrene heimatliche Bergwanderer auch vor Lachen nicht halten, aber spätestens vor Ort in Fort William schaut die Sache dann anders aus. Warum? 

Was? Das sollen richtige Berge sein!

Spektakulärer Ben Nevis
Spektakulärer Ben Nevis

Fort William am Fuße des Ben Nevis liegt auf Meereshöhe, also auf NULL Meter. Anders wie bei uns, hat man so den ganzen Berg vor sich. Die Bezeichnung Ben Navis kommt aus dem gälischen und bedeutet ungefähr so viel wie der „Furchtbare“! Und diesen Namen wir er mehr als gerecht. Hat man Glück mit dem Wetter braucht man rund 7 Stunden für Auf- und Abstieg. An 9 von 10 Tagen hat man dieses Glück nicht. An diesen Tagen lässt sich die schottische Variante des Mount Everest nur schwerlich erklimmen und sollte man es trotzdem irgendwie schaffen nach oben zu kommen verweigert unendlicher Nebel den fantastischen Ausblick auf beinahe alle Berge der Highlands. Er ist einer der wenigen Berge, wo es auch im Hochsommer passieren kann, dass man am Gipfel eine Schneeballschlacht schlagen kann. Kurz gesagt: Ganzjährige Schneegefahr und jederzeit hochalpine Gefahren ab spätestens 600 Höhenmeter. Den Schotten unterstellt man ja gerne geizig zu sein (was im Übrigen nicht stimmt), aber in diesem Fall ist es nur die Höhe des Berges und mit Bestimmtheit nicht die Herausforderung.

Die Schotten und Schifahren? Niemals. Leider falsch!

Glen Bruar - Cairngorms - Grampians
Glen Bruar - Cairngorms - Grampians

In den Grampians Highlands befindet sich der Cairngorm National Park mit seinem massiven und zum Teil beinahe angsteinflößenden Bergen. Unberührte Natur, einsame Pfade und Zeltplätze inklusive. Auch der berühmteste Bergpass „Lairg Ghru“ befindet sich hier und ist wie vieles in diesem Teil Schottlands nur zu Fuß erreichbar. Obwohl dieser Pass unter 1.000 Höhenmeter liegt, sind die Gefahren nur unwesentlich geringer als am Ben Navis.

In den Cairngorms gibt es aber auch Schigebiete! Ja, richtig gelesen. Ebenso beim Kingshouse Hotel am West Highland Way am Ende des 20km einsamen Marsches durch das Rannoch Moor. Wie ich da in der Ferne einen Sessellift erblickte, zweifelte ich stark an meiner Sehkraft und führte dies zunächst auf meinen übermäßigen Sauerstoffkonsum zurück.  Nein liebe Leser, es war nicht der Whisky! Der Weitwanderweg West Highland Way führt durch den zweiten National Park „Loch Lomond & Trossachs“ mit dem namensgebenden größtem Süßwassersee samt der einzigen Makrele die sich auch außerhalb von Salzwasser wohlfühlt. 

Viel Natur und wenig Menschen

Loch Avon - Cairngorms - Grampians
Loch Avon - Cairngorms - Grampians

Geografisch eignen sich für den Einsteiger in die Highlands am besten die „Speyside“, das Zentrum der Whiskyindustrie. Entlang des River Spey von der Mündung in die Nordsee hin zu seinem Ursprung ist ausgesprochen lieblich und die Berge hier blicken auch von Meereshöhe aus noch freundlich drein. Hier liegt auch die Whiskyhauptstadt „Dufftown“ mit gleich sechs „Distilleries“, das höchstgelegenste Dorf der Highlands „Tomintoul“, das im Winter schon mal mit 3 Meter Schnee aufwarten kann, sowie Aberlour der Produktionsstätte der bekannten „Walker-Kekse“.

Schottland ist flächenmäßig etwa gleich groß wie Österreich und beschlagnahmt ein Drittel der britischen Inselfläche. Über 27.000 Seen (die „Lochs“) sorgen für mehr als 90 Prozent des Süßwassers der Insel. 11.800km Küste und 50.000km Flüsse runden das Naturspektakel ab. Im Naturparadies Highlands leben zudem gerade mal 4% der schottischen Bevölkerung von zirka 5 Mio. Dafür aber Unmengen an Schafen, Wild und nun auch wieder vermehrt das langzottelige „Highland Cattle“, die schottische Antwort in Sachen Rindvieh.

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